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Bild von Ralph Cibis
Sep 2, 2020 - Ralph Cibis

Schafft Raum für Freundschaft!

Montagabend habe ich mit einem jungen Gründerteam einen Workshop zum Framework 5 Dysfunctions of a Team gehalten. Nachdem in den letzten Wochen und Monaten gefühlt 3000 Leute zum Buch an sich irgendwas geschrieben und gepostet haben, wollte ich jetzt GENAU DAS SELBE TUN!

Nein, Spaß beiseite. Es hat sich in diesem Workshop mal wieder gezeigt, woran es fast immer scheitert und weshalb es wichtig ist, Platz zum Austausch zu schaffen. Mir geht’s hier auch weniger um den Austausch über ein Produkt oder über etwas fachliches. Meine persönliche Erfahrung - abseits aller kleinen Konflikte, die man hier oder da mal hat - zeigt, dass es für ein gutes Team wichtig ist, nicht nur KollegInnen zu sein, sondern auch Freunde.

Work-Life-Balance

Klar, die politisch-korrekte Young-Professional-Community wird jetzt gleich dastehen und möglichst berufliches und privates trennen wollen, die Millennial-Safe-Spaces aufrecht erhalten und dann hoffen, dass die Work-Life-Balance weiter passt. Aber mal ehrlich: wie geil ist es eigentlich, mit Freunden zusammenzuarbeiten? Wenn man an einem Punkt angekommen ist, an dem der ganze awkward Aufwand zu forciertem Team Building endlich ein Ende hat? Wie würde eine Welt aussehen, in der Freunde zusammen arbeiten und der Ausgang von Projekten nicht über irgendwelche politischen Agendas gesteuert wird?

Ein Gedankenexperiment

Du kommst morgens in Büro, - lassen wir den ganzen Remote-Kram mal außen vor - weil du Bock hast, deine Freunde zu treffen. Gestern wurde es etwas später. Aber nicht, weil du mit irgendwem hart ballern warst, sondern weil ihr gemeinsam auf Arbeit Pizza bestellt habt, die Rechnung einfach durch 5 geteilt habt und noch ein paar wichtige Aufgaben für euer aktuelles Projekt erledigt habt. Du bist früh wieder da, nicht weil du der Stempeluhr Rechenschaft ablegen musst, sondern weil du Lust hast den Drive von gestern aufrecht zu erhalten.

Stell dir vor, du triffst dich zum Frühstück an der Kaffeemaschine. Kein cringe-5000-Smalltalk mit der kontinuierlichen Abwägung, was du jetzt erzählen darfst, wie du Dinge formulieren musst und welche Version der Wahrheit du den anderen Kollegen erzählt hast. Stell dir vor, es ist angenehm, auch einfach nichts zu sagen, weil du weißt, dass du eine Verbindung mit den Menschen hast, die gerade auch schweigen. Wie entspannt wäre das? 70%? 80%? Noch entspannter?

Du kennst das Spiel langsam. Stell dir vor, du hast eine Retrospektive in der die Teilnehmer wirklich aussprechen, was sie denken. In der ein lieb gemeintes „halt’s Maul“ genauso viel wert ist, wie eine ehrliche Aussprache. Denn ihr braucht keine Stickies, um halb-anonym um einen Elefanten herumzutanzen. Ihr findet gemeinsam Lösungswege und haltet diese darauf fest. Ihr vertraut euch nämlich und seid offen, die Vorschläge der anderen nicht nur zu akzeptieren, sondern sogar auszuprobieren.

Ihr seid eine Front, wenn ihr die Ergebnisse eures Projektes präsentiert. Aber eigentlich ist das nicht so wichtig, denn ihr präsentiert sie nicht euren Gegenspielern, sondern euren Mitspielern. Ich verheimlicht keine Fehler, weil ihr Angst vor Titeln und Hierarchie habt, sondern ihr besprecht auf Augenhöhe eure Fortschritte und arbeitet gemeinsam einen Plan aus. Ihr sitzt im selben Boot, also ist bei euch auch die Verantwortung gleichmäßig verteilt. Ihr wisst, wenn das Projekt erfolgreich ist, könnt ihr noch lange so weitermachen, wie jetzt. Mit Verantwortung und Leistung kommen die Freiheiten, mit der Freiheit lassen sich Freundschaften entwickeln.

Selbstreflexion

Zurück aus unserem Gedankenexperiment: steht auf, schaut in den Spiegel, seht euch in die Augen und fragt euch: „wie schaffe ich es, mit Freunden zusammenzuarbeiten? Ist mir mein Job die Work-Life-Balance wert oder sehne ich mich nach einer Work-Life-Integration, um mir nicht einfach nur eine bessere Freizeit durch Arbeit zu kaufen?“ Überlegt euch gut, wie eure Arbeit in Zukunft aussehen kann und ob es nicht einen Versuch wert ist auf Freundschaft zu bauen. Spoiler: ich kann mir kaum noch vorstellen anders arbeiten zu wollen.

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Macht einfach Spaß. Projekte mit Freunden.

Ach ja… ich hoffe, das Gründerteam hat durch unsere Zusammenarbeit auch nochmal den ein oder anderen Impuls mitgenommen, dass eine persönliche, vertrauensvolle Beziehung untereinander wertvoller ist, als der 100%ige Fokus auf Professionalität und Fachlichkeit.

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