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Bild von Dominic Burucker
Mar 16, 2020 - Dominic Burucker

Krisensituationen: Der beste “Agent of Change.”

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Krisen sind klasse!

Sie zwingen je nach Art und Ausprägung Personen, Gruppen und Völker zu handeln. Dank Corona muss die ganze globalisierte Welt sich einer Krise stellen und Antworten finden. Das beste daran, die Covid-19 Erreger kennen keine politische Korrektheit, sie interessiert nicht ob du, dein Team, deine Firma, deine Stadt oder dein Land gut aufgestellt sind. Rechtfertigen bringt hier nichts. Eine Realität die man nicht wegargumentieren oder verschleiern kann.

Oft reden wir darüber das wir genau diese Probleme in den Firmen in denen wir arbeiten erahnen, spüren oder ihnen ganz offensichtlich begegnen aber nichts tun können weil sie unterdrückt werden. Ein Virus lässt sich nicht unterdrücken bis ein Heilmittel gefunden wurde. Bis dahin wütet er einfach.

Schauen wir unters Mikroskop und stellen etwas schärfer:

Wirtschaftlich betrachtet geht es darum Firmen möglichst handlungsfähig zu halten in Zeiten wo alles was nicht vital ist für die ökonomische Infrastruktur geschlossen wird auf unabsehbare Zeit. Den Erreger interessieren keine Fristen, keine Deadlines (no pun intended). Daher müssen die die können das Tagesgeschäft aufrechterhalten soweit möglich. Es gibt Sektoren die haben da nicht viel Chancen auf die Krise objektiv richtig zu reagieren in dem Sie Mitarbeiter heimschicken ohne auch das Daily Business massiv einzuschränken. Verkäufer, Logistiker … eben alle Sektoren die sich nicht digitalisieren lassen bis auf weiteres, wo Arbeitskräfte an spezifischen Orten gebunden sind.

Wir stellen wieder etwas schärfer:

Deutschland digitalisiert sich ja schon länger! Wenn auch leider sehr langsam - aber New Work, agile, Antifragilität etc. sind ja zumindest als Buzzwords in unserem Arbeitsalltag angekommen.

Jetzt haben die Buzzwords auch mal die Chance zu zeigen ob sie was können ohne das man sich durch Vorstandsebenen und Agendas aller Art kämpfen muss, sau geil.

Jetzt zeigt sich ob eine Firma zukunftsfähig ist. Kann ich meine Mitarbeiter heimschicken weil ich ein agiles Team habe mit der nötigen Technik, den Tools und der Selbstorganisation um das Tagesgeschäft zuverlässig weiter zu führen oder muss ich leider feststellen das die Organisation meiner Firma zu monolithisch, zu sehr von Politik und technologischer Veraltung geplagt ist und ich somit, dass Risiko größerer Infektionsketten und wirtschaftlichen Einbußen eingehen muss?

Sehe ich vielleicht jetzt ein, dass man die Möglichkeiten einer neuen Arbeitskultur und neuer Technologie ausschöpfen sollte? Sehe ich ein das ich Innovation versäumt habe?

Firmen die eine gewisse Größe haben aber die Zeichen der Zeit schon vor der Krise vernommen haben, werden sich eher als agile Frachter konzipiert haben die im Notfall auch allein auf stürmischer See zurechtkommen. Gemeinsame Flaggen und gemeinsame Sprache halten die Schiffe auf Kurs, moderne Tools helfen die anderen zu orten um nach dem Sturm wieder zusammen zu finden.

Der riesige Öltanker kann nur einen Kurs einschlagen, ist schwerfällig und wenn er sinkt, sinken alle. Im Worstcase verschmutzt er noch das Wasser und verletzt damit das Ökosystem in dem alle leben.

Die Heilung

Die Krise bietet auch immer die Möglichkeit der Katharsis. Außergewöhnliche Umstände bieten die Möglichkeit aus dem “täglichen” auszubrechen, die Krise, der Ausnahmezustand zwingt uns ja dazu.

Die Ärzte auf aller Welt wenden gerade “inspect and adapt” an, weil sie nach wissenschaftlicher Methode müssen. Sie nutzen die Zeit um massiv Daten zu sammeln, Lösungswege zu finden und die Katastrophe einzudämmen. Sie wenden “sense and respond” an in unglaublich kurzen Iterationszyklen. Impf-MVPs werden entwickelt und getestet. Asynchrone Kommunikation ist angesagt. Austausch ist angesagt. Sie ahnen, dass das Gesundheitssystem eine überlastung erfährt wenn nicht schnell drastische Maßnahmen getroffen werden, daher wird das öffentliche Leben weitgehend zum Stillstand gebracht. Die Länder deren Gesundheitsysteme wenig Altlasten tragen und sich schon neben dem Tagesgeschäft zukunftsfähig(er) gemacht haben werden die Krise bewältigen (technische Schulden anyone?). Ihr merkt worauf ich hinaus will.

Zeit für Firmen dasselbe zu tun. Nutzen wir die Krise um zu lernen? Erkennen wir organisatorische Schwächen, systematische Fehler die in der Vergangenheit dauernd wiederholt wurden und die uns jetzt lähmen?

Wischen wir uns den Schweiss nach der Krise von der Stirn, sind froh, dass die Kollateralschäden eventuell nicht so offensichtlich schlimm waren wie gedacht sind und kehren zum Status Quo zurück oder erkennen wir endlich das wir uns in Zeiten des Erfolgs, der Normalität und des Wohlstands rüsten müssen für die Zukunft?

Leider lernen wir allzu oft (wenn überhaupt) nur dann wenn das Normale verschwindet, wenn die Ausnahme regiert. Wenn Gefahr nicht nur droht, sondern sich unmittelbar auf unsere Leben auswirkt. Wir lernen leider meistens wenn es zu spät ist.

Früher haben wir auch zu spät gemerkt wenn ein Projekt den Wasserfall runter geplätschert ist oder? Wenn zum x-ten mal Geld verbrannt wurde.

Früher haben wir auch zu spät gemerkt wenn die Mitarbeiter wegen Politik und einer toxischen Arbeitskultur alle gegangen sind, und nichts nachhaltiges aufgebaut werden konnte.

Jetzt merken wir zusätzlich noch wie beweglich wir sind, wie gut wir uns anpassen können. Wie agil sind wir denn wirklich? Wie sehr praktizieren wir “inspect and adapt?”

Der Witz: Viele Optionen und Antworten darauf existieren seit längerem und werden auch fleissig verkauft. Gut inverstiertes Geld oder nicht ernst genommenes Placebo? Ganz nach Darwin zeigt sich ob wir uns anpassen können und wie gut wir adaptieren. Der Virus fragt nicht.

Jede Firma hat auch ein Immunsystem das jetzt angegriffen wird. Haben wir in den letzten Jahren was dafür getan und es gestärkt oder sind wir faul und fett geworden?

Jetzt zeigt sich ob Unternehmen, Teams und das "digitalisierte Deutschland" agil genug ist.

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