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Apr 16, 2020 - Ralph Cibis

Digitalisierung - oder was gerade wirklich passiert

Willkommen in der Zukunft! Ein Glück, dass die Digitalisierung endlich voranschreitet. Endlich ist Linkedin voll mit diesem (let’s call it) Meme über die treibende Kraft hinter der Digitalisierung in deinem Unternehmen. Voll lustig. Zur Auswahl stehen da CEO, CTO und COVID-19. Ich lach mich schlapp. Jeder weiß doch, dass das die Aufgabe des CDO oder CIO ist. Fangfrage entlarvt!

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Nicht.

Wenn man etwas tiefer in den aktuellen Schlamassel hineinblickt sieht man eigentlich nur, dass der Teil der Arbeitenden, die sowieso ihr Dasein vorm Rechner im Büro fristen jetzt ihr Dasein vorm Rechner zu Hause fristen. Ganz ehrlich. Wenn digitale Transformation (oder wie die aktuelle Version des Buzzwords heißt) bedeutet, dass man sich fix bei Zoom registriert, einen Slack Workspace einrichtet oder Home Office machen darf, dann sind wir ja mittlerweile Vorreiter. Krass!

Oder bedeutet digitale Transformation was ganz anderes?

Irgendwann kursierte im Internet mal ein Zitat von irgendeinem high-ranking O2-Mitarbeiter. Evtl. ähnlich wie dieses Fake-Einstein-Zitat über die Definition des Wahnsinns, aber dennoch ein guter Anhaltspunkt. Es ging in die Richtung „digitalisierst du einen scheiß Prozess, hast du einen digitalen Scheißprozess.“ Wahrscheinlich gar keine so schlechte Aussage, auf den ersten Blick regt sie zumindest mal zum Denken an und das war sicherlich auch beabsichtigt.

Lösen wir die richtigen Probleme?

Aktuell ist Digitalisierung - also die Transformation von Geschäftsprozessen - maximal ein Teil der Problemstellung. Die aktuelle Situation zeigt auf, dass in den letzten Jahren an vielen Ecken an Leadership gespart wurde. Die Personen, die zur Führung ihrer Mitarbeitenden angestellt oder befördert wurden, bekommen jetzt aufgezeigt, dass sie viel zu spät „loslassen“ geübt haben; in vielen Fällen gar nicht. Unternehmen stehen vor der Frage, wie Arbeit denn funktionieren kann, wenn sie nicht von Supervisor oder Stempeluhr kontrolliert wird. Natürlich stehen viele Unternehmen auch vor ganz anderen monetären Fragen, aber das soll nicht Teil dieses Artikels sein.

An vielen Stellen wird sich bestimmt gefragt, ob man denn die Mitarbeitenden einfach so im Home Office laufen lassen kann. Wie soll der ganze Remote-Alltag funktionieren? Und klar, diese Fragen sind berechtigt. Aber warum muss man sie überhaupt stellen?

Again: Purpose.

Vor allem in großen Konzernen, in denen Gehälter oft nichts mit Leistung, sondern nur mit Zeit-absitzen zu tun haben, ist diese Frage natürlich berechtigt. Wenn einem Mitarbeitenden nie gezeigt wurde, was das „warum“ hinter der Arbeit ist, welche gemeinsame Mission verfolgt wird und was die dahinterstehende Vision ist, dann würde ich gerade auch 3x am Tag Unterwäsche wechseln. Vielleicht ist jetzt der richtige Moment sich die Zeit im Home Office zu nehmen und über das Thema „Daseinsberechtigung“ mal nachzudenken. Warum machen wir diesen Job? Was treibt uns an? Können wir damit die Welt ein Stückchen verbessern oder basiert unser Erfolg nur auf den zermürbten Schultern anderer? Jetzt habt ihr die Möglichkeit zu reflektieren. Jetzt habt ihr die Chance in euch zu gehen ohne, dass ein kleiner Berater auf eurer Schulter sitzt und in euer Ohr flüsternd fragt, ob Drop oder Pivot.

Wenn es eine große Chance gibt, die wir in dieser Krise wahrnehmen können, liebe Wissensarbeitenden, dann die nach der Daseinsberechtigung. Wenn wir irgendwann in den Alltag, den wir mal gekannt haben, zurückkehren, werden wir dann nicht nur wissen was wir machen, sondern vielleicht sogar wozu wir es tun? Entschleunigung hilft bei der Reflektion. Ihr habt die Zeit jetzt, denn (Achtung Seitenhieb) wir sind nicht systemrelevant, i.e. agile enough.

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